In der zweiten Runde spielten wir auswärts in Kremsmünster. Wir hatten den Eindruck, dass unsere Gegner in der ersten Runde nicht in ihrer stärksten Aufstellung angetreten waren, und wussten daher nicht genau, was uns erwarten würde. Tatsächlich gab es eine kleine Änderung: Am ersten Brett spielte diesmal Richard Hersel, ein sehr starker Spieler mit über 2000 Elo. Benedikt musste erst einmal schlucken, aber ich sagte ihm, dass er schließlich auch einmal eine richtige Herausforderung braucht!
Brett 1: Richard Hersel – Benedikt
Benedikt spielte von Anfang an sehr konzentriert und ruhig. Es entwickelte sich eine spannende Partie mit fianchettierten Läufern auf beiden Seiten und viel Spannung im Zentrum. Besonders ungewöhnlich war, dass Benedikt seinen Läufer auf e6 stehen hatte, während gleichzeitig noch ein Bauer auf e7 stand.
Nach einigen Figurentauschen blieb Benedikt mit einem isolierten Doppelbauern im Zentrum zurück, ohne dafür eine ausreichende Kompensation zu haben. Meiner Einschätzung nach stand Weiß zu diesem Zeitpunkt besser. Die Stellung war allerdings sehr trickreich und da sah ich Möglichkeiten, und Benedikt spielte mit seinen Springern weiterhin stark.
Als sein Gegner schließlich einen ungenauen Zug machte, nutzte Benedikt die Gelegenheit mit einer schönen Kombination und gewann eine Figur. Damit war die Partie praktisch sofort entschieden. Sein Gegner meinte nach der Partie, dass er seinen Fehler unmittelbar nach dem Zug bemerkt hatte, da war es allerdings schon zu spät!
Brett 2: Norbert Czechura – Kilian
Kilian bekam es mit der Französischen Verteidigung zu tun, in der sein Gegner wie so oft viel Druck auf den Bauern d4 ausübte. Dieser ging dabei allerdings ein gewisses Risiko ein, das Kilian mit einer starken Kombination ausnutzte: Er gab zwei Leichtfiguren für einen Turm und zwei Bauern und erhielt dafür aktives Spiel gegen den gegnerischen König.
Kilian spielte die Stellung anschließend wirklich stark weiter. Er gewann einen weiteren Bauern, während der Druck auf den gegnerischen König immer größer wurde. Es war eine große Freude, diese Partie zu verfolgen, gerade weil die Stellungen an den anderen Brettern zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so vielversprechend aussahen.
Als das Matt schließlich nicht mehr zu verhindern war, gratulierte sein Gegner, Kilian zum verdienten Sieg.
Brett 3: Fritz Söllradl – Maximilian B.
Maximilian spielte mit Schwarz Sizilianisch. Weiß entwickelte starken Druck auf f7, und ich dachte bereits, dass die schwarze Stellung bald zusammenbrechen und Maximilian die Partie verlieren würde.
Doch Weiß spielte die Stellung nicht konsequent weiter. Maximilian verteidigte sich gut und konnte allmählich Gegenspiel entwickeln. Zwar verlor er einen Bauern, doch die Stellung vereinfachte sich, und es entstand ein Turmendspiel. Hier musste Maximilian genau verteidigen. Gleichzeitig war aber auch nicht klar, wie Weiß den Sieg hätte erzwingen können.
Dann kam es noch besser: Weiß spielte erneut einen schlechten Zug und musste sich danach zwischen einem Turmverlust und einem Matt entscheiden. Er entschied sich für die zweite Möglichkeit und damit war auch diese Partie gewonnen!
Brett 4: Celik Arif – Christoph
Christoph wählte die Londoner Eröffnung. Nach einigen ungenauen Zügen gelang es Schwarz jedoch, mehrere Figuren zu tauschen und Weiß dabei zwei Doppelbauern zu verpassen. Gleichzeitig sicherte sich Schwarz eine Bauernmehrheit am Damenflügel.
Der Plan von Schwarz war klar und stark: Druck auf den rückständigen Bauern auf b2 ausüben und diesen schließlich gewinnen. Die Stellung war für Christoph sehr schwierig zu verteidigen. Vielleicht hätte er an der einen oder anderen Stelle noch einen besseren Zug finden können, doch letztlich ging der b-Bauer verloren, später fiel auch noch der a-Bauer.
Die beiden Freibauern marschierten anschließend unaufhaltsam nach vorne, und Schwarz gewann die Partie.
Fazit
Mit einem Gesamtergebnis von 3:1 war es ein äußerst erfolgreicher Spieltag für unsere Mannschaft. Besonders erfreulich waren die kämpferischen Leistungen und die starken Siege von Benedikt, Kilian und Maximilian. Es war wieder eine große Freude, diese junge Mannschaft betreuen zu dürfen!
In zwei Wochen geht es weiter, dann treffen wir erneut auf Kremsmünster, diesmal allerdings auf deren zweite Mannschaft.
