Eine Nachlese zum Drei-Länder Marathon in Bregenz (Bericht von Fritz Raxendorfer)
Wir waren eine achtköpfige Gruppe, die zum Drei Länder Marathon anreiste. Rosemarie und Heli, Gabi und Ernst, Karin und Andi, sowie Josef(Letzi) und meine Wenigkeit. Die beiden Erstgenannten hatten schon am Donnerstag ihren Anreisetag. Letzi und ich folgten am Freitag. Karin und Andi vervollständigten das Team am Samstag.
Der Freitag war ausgefüllt von Ausflügen in die Schweiz (St. Gallen) und ins benachbarte Bayern nach Lindau, dem Startort des am Sonntag stattfindenden Rennens. Letzi und ich hatten nach einer sechsstündigen Zugfahrt das Bedürfnis nach etwas Bewegung und hatten uns zu einem einstündigen Sightseeing Run in Bregenz angemeldet. Pünktlich um 16 Uhr setzte sich eine zirka fünfzehnköpfige internationale Laufgruppe, angeführt von einem ortskundigen Guide in Bewegung. Der Lauf führte vorerst entlang des Bodensees. Beim ersten Stopp am Hafen zählte der Guide die am Bodensee angrenzenden Länder auf und stellte gleichzeitig eine Frage: „ Uii“ dachte ich mir, Berufskollege von Gabi, Gabi ist ja vom Beruf Lehrerin. Wer kennt das vierte Land das knapp nicht an den Bodensee angrenzt? Stellte er als Frage in den Raum. Betretene Gesichter im Kreis. „Kennt es denn wirklich keiner“! Die Gruppe immer mehr in sich kauernd rückt näher zusammen, der Guide immer größer, fordender werdend…. Liechtenstein brüllte einer von hinten hervor, Jens aus Wuppertal hatte die Lösung, vermutlich gegoogelt. Richtig lobte ihn der „Lehrer“ und Jens sammelte seinen ersten Pluspunkt. Ich drängte Jens dann beim Weiterlaufen Richtung Gehsteigkante ab, ob seiner Besserwisserei, das gehört bestraft. Die Sightseeingtour ging weiter. Man lief durch Museen und Kunstgalerien und besichtigte im Laufschritt die Altstadt, machte aber immer wieder kleine Stopps wo uns alles erklärt wurde. Am Martinsturm ganz oben stellte dann der Guide wieder einmal eine Frage. Mich bestärkte das dahingehend, dass er von Beruf Lehrer sein muss. Dieses Mal wollte er vom „ Anführer“ der englischen Reisegruppe eine Antwort zum Dreißigjährigen Krieg wissen. Mutiges Kerlchen dachte ich mir, der Herr Lehrer. Der Englishman nicht gerade der Typ Marathonläufer eher der Kategorie Rugbyspieler zuzuordnen runzelte die Stirn, sodass die Falten sichtbar über sein ganzes kahl geschorenes Haupt verliefen und antwortete: „ Thirty Years‘ War, what“? Er machte ihm dann verständlich dass die Engländer nie so lange benötigen um ihre Konflikte zu lösen. Die Tour endete dann nach fast neunzig Minuten, was bedeutete, der „Lehrer“ ließ uns alle nachsitzen. Aber eine schöne Geste des Veranstalters das für die Läufer anzubieten und vor allem umsonst.
Mittlereile waren auch die Ausflügler heimgekehrt und man suchte ein Wirtshaus für das Abendessen. Eine Challenge wie sich herausstellte. Wir fanden leider kein Lokal wo alle Platz hatten und so musste man sich aufteilen. Vier Personen fanden in der Reblaus Platz, ein Lokalname den man eher in Grinzing als in Bregenz vermutet. Gabi und Ernst fanden in einem Innenstadtlokal spät abends noch einen freien Tisch.
Um das zukünftig zu vermeiden reservierte man für die nächsten Tage für alle dann im Voraus.
Der Samstag war von der Wetterprognose her zum Vergessen. Es regnete am Vormittag durch, teilweise sogar stark, was die Aktivitäten dem entsprechend einschränkte. Ein Besuch der Marathonmesse war noch die idealere Lösung für den Vormittag, mittags traf man sich dann zum gemeinsamen Essen, zur Startnummernausgabe, zur Wettkampfbesprechung und zur Vorstellung des Teams. Karin und Andi sind nun ebenfalls dazu gestoßen. Große Diszipliniertheit herrschte beim Essen in punkto Alkohol. Alle Athletinnen und Athleten die am nächsten Tag im Einsatz waren tankten bleifrei. Am Nachmittag zeigte sich dann stellenweise die Sonne und man fuhr mit den Neuankömmlingen Karin und Andi noch einmal hinüber nach Lindau, wo neben den historischen Gebäuden auch zwei Kunstaustellungen zu besichtigen waren, die Startnummer für das Rennen war zugleich die Eintrittskarte.
Am Abend dann die Aufgabenverteilung und Renntaktikbesprechung für den nächsten Tag:
Das Supporter Team:
Rosemarie und Heli
Die Marathonstaffel:
Ernst der „Relaxte“
Letzi der „Trainingsplanerfüller“
Andi der „ Wettkämpfer“
Fritz die „ Wundertüte“
Das Nordic Walking Team
Gabi und Karin die „Souveränen“
Bei der Wettkampfbesprechung wurden dann noch die Zeitziele festgelegt. Die Staffel wollte nach 3:40 Stunden im Ziel sein, die Nordic-Damen hatten ein souveränes Finish im Auge. Wichtig war auch der Hinweis von Triathlet Fritz, dass der Ablauf in der Wechselzone für die „Staffler“ nicht zu vernachlässigen ist. Bei schlechtem Wechsel der Startnummer können wertvolle Sekunden liegen bleiben.
Die Startaufstellung war dann wie folgt: der „Relaxte“ ist Startläufer, der „Trainingsplanerfüller“ löst ihn nach 10 Kilometer ab, übergibt nach sieben Kilometer an den „Wettkämpfer“ der die nötige Zeit herausholt, um dann nach 9Kilometer in der Schweiz an die „Wundertüte“ abzugeben, die hoffentlich dann nach 16 Kilometern im Ziel ist. Nach erfolgtem Carboloading in einer Pizzeria vereinbarte man noch einen Fototermin für den nächsten Tag um 8:30 Uhr was im Nachhinein gesehen fast schon zu spät war.
Der Wettkampftag begann schon um 5 Uhr Früh. Das Supportteam inspizierte das Zielgelände und suchte dabei die ideale Stelle aus, für die Staffel, zum gemeinsamen Zieleinlauf. Anschließend Frühstück, dann der gemeinsame Fototermin um 8:30 Uhr.
Zu diesem Zeitpunkt war der „Relaxte“ schon nicht mehr relaxt, musste er ja noch mit dem Zug zum Start nach Lindau fahren. Slot für die Kleiderabgabe bis 9:30 Uhr, Start um 9:45 Uhr. Nach dem „Shooting“ joggte er zum Bahnhof, um noch einen der letzten Züge zu erwischen, leider hatte er dabei kein gutes Händchen, er stieg in den Zug, der kurz nach der Abfahrt aufgrund einer Panne für ein Weilchen liegenblieb.
Von jetzt an wurde er zum „Gestressten“, der es aber dann doch schaffte fünf Minuten vor dem Startschuss an der Startlinie zu sein, allerdings mit dem Handicap unaufgewärmt ins Rennen gehen zu müssen. Nach zirka 52 Minuten dann der erste Wechsel, der wieder „Relaxte“ übergab an den „ Trainingsplanerfüller“. Die Übergabe erfolgte jedoch nicht reibungslos. Beide mussten stehenbleiben um die Startnummer zu tauschen, dabei vergingen wertvolle Sekunden. Doch Letzi machte das Missgeschick durch ein engagiertes Rennen wieder wett. Nach sieben Kilometer im 5:25er Schnitt wechselte die Startnummer schon weitaus perfekter zum „Wettkämpfer“ der im 4:29er Schnitt in die Schweiz düste. Neun Kilometer später erfolgte dann der schnellste Wechsel zur „Wundertüte“. Diese rannte motiviert bis in die nicht vorhandenen Haarspitzen drauf los um nach dem ersten Kilometer zu realisieren, dass ein 4:37er Schnitt eventuell zu schnell sein könnte. Die nächsten Kilometer pendelte ich mich dann bei zirka 5 Minuten pro Kilometer ein. Den Zehner passierte ich dann knapp unter 50 Minuten. In der Hoffnung, dass das bei Kilometer acht eingeworfene Gel seine Wirkung entfaltet, lief ich die nächsten Kilometer nur unwesentlich langsamer. Beginnende Muskelschmerzen in den Oberschenkel veranlassten mich aber für einen Kilometer etwas Tempo rauszunehmen. Die richtige Entscheidung. Die letzten Kilometer hatte ich wieder eine starke Pace, die Staffelkollegen stiegen vierhundert Meter vor dem Ende wieder ein und gemeinsam sprinteten wir ins Ziel. Jedem wurde im Zielbereich die verdiente Finishermedaille umgehängt und ein Blick auf die Uhr verriet mir: 16,1 Kilometer im 5:05er Schnitt. Da kann ich zufrieden sein. Insgesamt hatten wir für die 42,195 Kilometer 3:33:30 Stunden gebraucht, was im Endeffekt der 43 Platz in der Endabrechnung war von 181 gemeldeten Staffeln. In der Wertung der reinen Männerstaffel schafften wir den ausgezeichneten sechzehnten Platz.
Und die „ Souveränen“? Die Anreise zum Start in Lindau erfolgte per Schiff. Nach dem Startschuss marschierte man gemeinsam Richtung Ziel in Bregenz. Karin konnte durch eine kleine Tempoverschärfung auf den letzten Kilometern, sie ist ja die Freundin vom „ Wettkämpfer“, als Erste von beiden mit 1:47:03 Stunden das Ziel erreichen. Knapp dahinter eine jubelnde Gabi mit 1:51 :41 Stunden. Großartige Leistung, auch wenn Gabi hinterher ein bisschen über Knieschmerzen klagte, die Finishermedaille überwog an diesem Tag vieles. Alle gesund im Ziel. Auf zum Wirt!
Für die Siegesfeier hatten wir einen Platz im Kornmesser, einem urigen Lokal mit bayrischem Bier und deftiger Kost vorbestellt. Auf den Tisch kamen Schweinsbraten, Kaiserschmarrn, Apfelstrudel und die eine oder andere Halbe Bier. Die leeren Speicher wieder gut aufgefüllt verließ man gegen 18 Uhr das Wirtshaus. Einige schauten noch auf einen „ Absacker“ bei der nahegelegenen Strandbar am Bodensee vorbei. Ein durchaus gelungenes Wochenende war vorbei. Für Letzi und mich war Montag Früh die Heimreise geplant, Karin und Andi, sowie Gabi und Ernst nutzten den schönen Vormittag noch für Aktivitäten und reisten erst am Abend ab. Rosemarie und Heli blieben noch bis Mittwoch und genossen ihren Urlaub weiter.
